Als Tattoo-Artist im Coworking arbeiten: Hygiene selbst organisieren
Tattoo-Artist im Coworking: wie du Liege, Fläche und Maschine abdeckst, mit Einwegmaterial arbeitest und die Hamburger Hygieneregeln im Mietraum umsetzt.
BEAUTYSHAIRE Redaktion · · 5 Min. Lesezeit

Als Tattoo-Artist musst du nicht sofort ein eigenes Studio eröffnen. Du kannst auch stundenweise in einem Beauty Coworking arbeiten. Dann bist du selbst dafür verantwortlich, dass dein Arbeitsplatz hygienisch ist: vom Abdecken der Liege bis zur Entsorgung der Nadeln. In diesem Artikel findest du die Regeln, die in Hamburg gelten, und einen Ablauf zum Aufbauen und Abbauen, den du an jedem gemieteten Platz nutzen kannst.
Die Regeln für Tätowieren in Hamburg
Tätowieren fällt unter die Hamburger Hygiene-Verordnung von 2005, zuletzt geändert 2025. Die Verordnung nennt das Tätowieren ausdrücklich. Ihre Kernpflichten:
- Hände reinigen, Hände und Haut desinfizieren, Einmalhandschuhe tragen
- Für alles, was die Haut durchdringt, sterile Instrumente und Materialien
- Oberflächen im Arbeitsbereich, die sich leicht reinigen und desinfizieren lassen
- Ein schriftlicher Hygieneplan, den das Gesundheitsamt jederzeit einsehen darf
- Aufbereitung von Mehrweg-Instrumenten mit validierten Verfahren
- Nadeln und andere spitze Gegenstände in stichfesten Behältern entsorgen
Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat dazu eine Broschüre mit Hygieneregeln für Tätowier- und Piercingbetriebe herausgegeben. Sie beschreibt den Arbeitsplatz, die Händehygiene und die Aufbereitung im Detail. Lies sie einmal vollständig, bevor du deinen Hygieneplan schreibst.
Farben
Deine Farben müssen der Tätowiermittel-Verordnung entsprechen. Sie regelt verbotene Stoffe und die Kennzeichnung, etwa Chargennummer, Haltbarkeit und Verwendungsdauer nach dem Öffnen. Zusätzlich gilt seit Januar 2022 die EU-Beschränkung nach REACH (Anhang XVII, Eintrag 75) mit Höchstgehalten für bestimmte Stoffe. Kauf nur Farben mit vollständigem Etikett und notiere die Charge bei jeder Kundin.
Was im Coworking anders ist
In deinem eigenen Studio richtest du alles einmal ein. Im Coworking teilst du Räume mit anderen Beauty-Selbstständigen. Die Liege, auf der heute deine Kundin liegt, nutzt morgen vielleicht eine Kosmetikerin. Daraus folgt eine einfache Regel: Du hinterlässt keine Spuren.
Das gelingt mit drei Bausteinen:
- Abdecken und einwickeln: Alles, was du während des Tätowierens berührst, bekommt eine Barriere.
- Einweg statt Aufbereitung: Alles, was mit Haut, Blut oder Farbe in Kontakt kommt, nutzt du einmal und entsorgst es.
- Desinfektion vor und nach dir: Du desinfizierst Flächen vor dem Aufbau und nach dem Abbau.
Material für den Gastplatz
Barriere und Abdeckung
- Flüssigkeitsdichte Einwegbezüge für Liege und Armlehne
- Einwegunterlagen für die Arbeitsfläche
- Barrierefolie für Maschine, Griff und Lampengriff
- Schutzschläuche für Kabel oder Clip-Cord
- Frischhaltefolie oder Beutel für Sprühflaschen und Farbflaschen
Einwegmaterial
Die Hamburger Broschüre nennt für Tattoo-Betriebe grundsätzlich Einwegprodukte bei:
- Handschuhen und Papierhandtüchern
- Spateln und Behältern für Farben und Salben
- Rasierern
- Nadeln und Nadelstangen
- Farbkappen
Einweg-Griffstücke erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Im Coworking haben sie einen weiteren Vorteil: Du brauchst keinen eigenen Sterilisator vor Ort. Wenn du Mehrweg-Griffe nutzt, musst du sie nach den Vorgaben deines Hygieneplans reinigen, desinfizieren und sterilisieren. Die Broschüre empfiehlt dafür Dampfsterilisatoren nach DIN EN 13060 und rät von Heißluftgeräten ab.
Hygiene und Schutz
- Hände-, Haut- und Flächendesinfektion in Originalflaschen
- Einmalschürzen
- Sterile Tupfer zur Blutstillung
- Salbe aus der Tube oder mit Einwegspatel entnommen
- Stichfester, verschließbarer Abwurfbehälter
- Müllbeutel zum Mitnehmen
Schritt für Schritt: Aufbau und Abbau
Aufbau vor der Kundin
- Schmuck an Händen und Unterarmen ablegen, Haare zusammenbinden, Hände waschen.
- Liege, Arbeitsfläche, Hocker und Lampengriff desinfizieren. Einwirkzeit abwarten.
- Einwegbezug auf die Liege, Einwegunterlage auf die Arbeitsfläche.
- Maschine und Kabel mit Folie und Schlauch einwickeln. Sprühflaschen in Beutel stecken.
- Hände desinfizieren, Handschuhe anziehen.
- Farbkappen aufstellen und Farbe einfüllen. Reste gehen später nie zurück in die Flasche.
- Sterilverpackungen erst unmittelbar vor der Nutzung öffnen.
- Haut der Kundin im Behandlungsbereich desinfizieren und Einwirkzeit abwarten.
Wenn du während der Sitzung etwas außerhalb deiner Barriere anfasst, etwa dein Handy, wechselst du die Handschuhe.
Abbau nach der Kundin
- Nadeln und Module direkt in den Abwurfbehälter.
- Farbkappen, Folien, Bezüge und Unterlagen in den Müllbeutel.
- Handschuhe wechseln.
- Liege, Arbeitsfläche, Hocker, Lampe und Maschine wischdesinfizieren.
- Boden im Arbeitsbereich auf Spritzer prüfen. Sichtbare Verunreinigung mit Blut sofort desinfizieren.
- Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren.
- Müllbeutel und Abwurfbehälter mitnehmen oder nach den Vorgaben des Hauses entsorgen.
Textilien, die mit Blut in Kontakt gekommen sein können, wäschst du bei 95 °C oder mit Wäschedesinfektion.
Dein Hygieneplan für den Gastplatz
Der Hygieneplan ist Pflicht, auch wenn du nur stundenweise in fremden Räumen arbeitest. Schreib ihn so, dass er zu deinem mobilen Ablauf passt. Die Hamburger Broschüre nennt als typische Inhalte Personalhygiene, einen Reinigungs- und Desinfektionsplan sowie eine Arbeitsanweisung für die Aufbereitung von Instrumenten.
Für den Gastplatz ergänzt du:
- Welche Flächen du vor und nach jeder Sitzung desinfizierst, mit welchem Mittel und welcher Einwirkzeit
- Welche Barrieren du verwendest und wann du sie wechselst
- Welche Produkte du nur einmal verwendest
- Was mit dem Abfall passiert: wo du ihn sammelst, wie du ihn transportierst, wo du ihn entsorgst
- Was du tust, wenn du dich an einer Nadel verletzt: Wunde versorgen, ärztliche Abklärung, Dokumentation
Die Broschüre empfiehlt, den Plan regelmäßig zu prüfen, etwa alle zwei Jahre, und die Prüfung zu dokumentieren. Nimm ihn bei jeder Sitzung mit, damit du ihn bei einer Kontrolle vorzeigen kannst.
Aufklärung und Einwilligung
Laut der Hamburger Broschüre bist du verpflichtet, Kundinnen vor dem Tattoo über Risiken und das Verhalten nach dem Stechen zu informieren. Sie empfiehlt, die Einwilligung schriftlich einzuholen und mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Bei Minderjährigen brauchst du die schriftliche Einwilligung der Eltern. Wer betrunken ist oder unter Drogen steht, wird nicht tätowiert. Eine Vorlage für Anamnese und Einwilligung findest du in Anamnesebogen und Einwilligung.
Tätowieren bei BEAUTYSHAIRE
Bei BEAUTYSHAIRE, dem Women-only Beauty Coworking am Sievekingdamm 42a in Hamburg, ist Tätowieren erlaubt. Die Bedingung: Du stellst die Hygiene selbst sicher. Du deckst Liege, Arbeitsfläche und Geräte ab oder wickelst sie ein, arbeitest mit Einwegmaterial und desinfizierst vor und nach deiner Sitzung.
Für Tattoo-Sitzungen eignet sich der Private Room im Untergeschoss für 20 € pro Stunde. Der Weg dorthin führt durch das Obergeschoss. Mit deinem persönlichen Zugangscode kommst du rund um die Uhr hinein, auch für lange Sitzungen am Wochenende. Deine erste Buchung prüft das Team anhand deiner Nachweise. Bis 8 Stunden vorher stornierst du kostenlos.
Wie andere Artists ihren Behandlungsraum organisieren, liest du auch in PMU-Artist: Behandlungsraum mieten.
Auf einen Blick
- Tätowieren fällt in Hamburg unter die Hygiene-Verordnung. Ein schriftlicher Hygieneplan ist Pflicht.
- Farben müssen der Tätowiermittel-Verordnung und der REACH-Beschränkung entsprechen.
- Im Coworking gilt: abdecken, einwickeln, Einweg, desinfizieren.
- Einweg-Griffe ersparen dir einen Sterilisator vor Ort.
- Aufbau und Abbau als feste Routine, damit der Platz sauber übergeben wird.
- Aufklärung und Einwilligung schriftlich, mindestens zehn Jahre aufbewahren.
Dieser Artikel ersetzt keine Beratung durch das Gesundheitsamt.