Eigenes Studio oder Coworking? Ein ehrlicher Kostenvergleich
Eigenes Kosmetikstudio oder Beauty Coworking? Kostenvergleich mit Beispielrechnung, Break-even-Formel und Kriterien, wann sich welches Modell für dich lohnt.
BEAUTYSHAIRE Redaktion · · 5 Min. Lesezeit

Irgendwann stellt sich die Frage: eigene Räume oder weiter flexibel arbeiten? Ein eigenes Studio fühlt sich nach Ankommen an. Ein gemieteter Platz im Coworking fühlt sich nach Übergang an. Beides sagt wenig über die Zahlen. In diesem Artikel rechnest du beide Modelle mit deinen eigenen Werten durch und findest die Stundenzahl, ab der sich ein eigenes Studio lohnt.
Was ein eigenes Studio kostet
Die Kaltmiete ist der sichtbarste Posten. Dazu kommen Kosten, die in keiner Wohnungsanzeige stehen. Ein eigenes Studio bringt drei Arten von Kosten mit.
Einmalige Kosten vor der Eröffnung
- Kaution, bei Gewerbemieten oft mehrere Monatsmieten
- Renovierung: Boden, Wände, Beleuchtung, eventuell Waschbecken und Wasseranschluss
- Einrichtung: Behandlungsliege, Arbeitsstuhl, Lampe, Rollwagen, Schränke, Empfang, Wartebereich
- Hygiene: Desinfektionsspender, Abfallsysteme, eventuell Sterilisator
- Außenwerbung und Schild
- Maklerprovision, falls fällig
Laufende Kosten jeden Monat
- Kaltmiete und Nebenkosten
- Strom, Heizung, Wasser, Internet
- Reinigung und Wäsche
- Inhalts- und gegebenenfalls Betriebsunterbrechungsversicherung
- Rundfunkbeitrag für die Betriebsstätte
- Wartung und Reparaturen
- Rücklage für Abnutzung
Versteckte Kosten
- Leerstand: Die Miete läuft weiter, wenn du krank bist, im Urlaub oder an einem ruhigen Dienstag.
- Vertragslaufzeit: Gewerbemietverträge laufen oft über mehrere Jahre. Ein Ausstieg ist teuer.
- Deine Zeit: Handwerker koordinieren, Reparaturen, Putzen, Einkauf von Verbrauchsmaterial für den Raum.
Beispielrechnung: kleines Studio in Hamburg
Beispiel mit runden Annahmen für einen Raum mit etwa 25 Quadratmetern. Deine Werte können deutlich abweichen. Frag bei Maklern und Vermietern in deinem Wunschviertel nach echten Angeboten.
Laufend pro Monat:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Kaltmiete | 500 € |
| Nebenkosten | 130 € |
| Strom, Internet | 80 € |
| Reinigung, Wäsche | 60 € |
| Versicherung Inhalt | 15 € |
| Wartung, Rücklage | 40 € |
| Einrichtung, auf 5 Jahre verteilt (6.000 € : 60) | 100 € |
| Summe | 925 € |
Einmalig: Kaution (Annahme drei Kaltmieten) 1.500 Euro plus Einrichtung 6.000 Euro. Du brauchst also rund 7.500 Euro, bevor die erste Kundin auf der Liege liegt. Die Kaution bekommst du zurück. Das Geld ist trotzdem gebunden.
Was Coworking kostet
Im Beauty Coworking mietest du einen Stuhl oder einen Raum stundenweise. Grundausstattung, Licht und Strom sind in der Regel im Stundenpreis enthalten. Was genau dazugehört, unterscheidet sich je nach Anbieter. Du zahlst nur die Stunden, die du buchst.
Bei BEAUTYSHAIRE am Sievekingdamm 42a kostet ein Stuhl 10 € pro Stunde und ein Room 20 € pro Stunde. Du kommst mit Zugangscode rund um die Uhr rein, auch für frühe oder späte Termine. Was im Preis enthalten ist, steht auf der Seite Stuhl und Raum, gebucht wird online über Studio buchen.
Was du trotzdem selbst zahlst:
- dein Material und Einwegartikel
- deine eigenen Geräte, falls du spezielle brauchst
- deine Berufshaftpflicht
- Fahrtkosten
Rechnung für einen Monat: gebuchte Stunden × Stundenpreis. Bei 60 Stunden im Room sind das 60 × 20 €.
Die Break-even-Formel
Die entscheidende Frage: Ab wie vielen Stunden im Monat ist das eigene Studio günstiger?
Monatliche Studiokosten : Stundenpreis im Coworking = Break-even-Stunden
Mit dem Beispielstudio von oben: 925 Euro : 10 € ergibt die Zahl der Stuhlstunden, ab der das Studio rechnerisch günstiger wird. Für den Room rechnest du 925 Euro : 20 €.
Zähle die gebuchten Stunden, nicht die Stunden, die du gern arbeiten würdest. Im Coworking buchst du die Zeit mit Kundin plus Vor- und Nachbereitung. Im eigenen Studio zahlst du auch die Stunden, in denen niemand kommt.
Was dich eine Stunde im eigenen Studio kostet
Dreh die Rechnung um: Teile die monatlichen Studiokosten durch die Stunden, in denen du dort Kundinnen behandelst. Mit dem Beispielstudio sieht das so aus:
- 40 Stunden im Monat (etwa zehn pro Woche): 925 Euro : 40 = rund 23 Euro pro Stunde
- 80 Stunden im Monat (etwa zwanzig pro Woche): 925 Euro : 80 = rund 11,60 Euro pro Stunde
- 120 Stunden im Monat (etwa dreißig pro Woche): 925 Euro : 120 = rund 7,70 Euro pro Stunde
Leg diese Werte neben 10 € oder 20 €. Dann siehst du, ab welcher Auslastung das Studio für dich günstiger wird. Die Kaution und das Risiko eines langen Mietvertrags stecken in diesen Zahlen noch nicht.
Was die Zahlen nicht zeigen
Ein Kostenvergleich ist der Anfang. Diese Punkte gehören in deine Entscheidung:
Für ein eigenes Studio spricht:
- Du bist mehr als 30 Stunden pro Woche ausgebucht, und das stabil seit Monaten.
- Du brauchst große, fest installierte Geräte.
- Du willst Mitarbeiterinnen einstellen.
- Dein Konzept lebt von einer eigenen Raumgestaltung und Marke.
Für Coworking spricht:
- Du startest oder baust gerade deinen Kundenstamm auf.
- Deine Auslastung schwankt nach Saison, zum Beispiel bei Braut-Make-up.
- Du arbeitest nebenberuflich oder in Teilzeit.
- Du willst kein Kapital in Renovierung und Kaution binden.
- Du schätzt Kolleginnen um dich, statt allein im Studio zu sitzen.
Mischformen gibt es auch: Viele arbeiten an zwei festen Tagen im Coworking und die übrige Zeit mobil. Andere nutzen das Coworking zusätzlich, wenn das eigene Studio voll ist, oder für Schulungen und Fotoshootings.
Entscheidungshilfe in fünf Fragen
- Wie viele Stunden hast du in den letzten drei Monaten tatsächlich an Kundinnen gearbeitet?
- Liegt diese Zahl sicher über deinem Break-even?
- Hast du Rücklagen für Kaution, Einrichtung und sechs Monate Miete?
- Kannst du dich mehrere Jahre an einen Mietvertrag binden?
- Was machst du mit dem Studio, wenn du zwei Monate ausfällst?
Wenn du drei oder mehr Fragen nicht klar beantworten kannst, ist es für ein eigenes Studio wahrscheinlich noch zu früh.
Fazit
Ein eigenes Studio rechnet sich, wenn du stabil und hoch ausgelastet bist. Vorher trägst du das Risiko der leeren Stunden allein. Coworking macht deine Kosten beweglich: Sie steigen mit deinen Kundinnen und sinken, wenn es ruhig ist. Rechne beide Modelle mit echten Angeboten aus deinem Viertel durch und prüfe die Entscheidung jedes Jahr neu.
Wie du die Arbeitsplatzkosten in deine Preise einbaust, zeigt Preise kalkulieren als Kosmetikerin. Mehr zum Modell der flexiblen Miete liest du in Warum flexible Stuhl- und Raumvermietung die Zukunft der Beauty-Branche ist.