Vorher-nachher-Fotos: Licht, Einwilligung, Wirkung
Vorher-nachher-Fotos in der Kosmetik: mit gutem Licht fotografieren, die Einwilligung nach DSGVO und KUG einholen und Ergebnisse ehrlich und wirksam zeigen.
BEAUTYSHAIRE Redaktion · · 5 Min. Lesezeit

Vorher-nachher-Fotos zeigen, was du kannst, besser als jede Beschreibung. Damit sie wirken, brauchst du gleiche Bedingungen für beide Bilder, gutes Licht und eine saubere Einwilligung der Kundin. In diesem Artikel lernst du, wie du Ergebnisfotos mit dem Handy aufnimmst, was rechtlich zur Einwilligung gehört und wie du Ergebnisse ehrlich zeigst.
Warum Vorher-nachher-Fotos so gut funktionieren
Eine Kundin, die über eine Wimpernverlängerung oder Brow Lamination nachdenkt, fragt sich vor allem eins: Wie sähe das bei mir aus? Ein ehrlicher Vergleich beantwortet diese Frage. Er zeigt den Ausgangspunkt, das Ergebnis und damit deine Arbeit.
Das funktioniert nur, wenn beide Bilder vergleichbar sind. Wechseln Licht, Winkel oder Abstand, sieht die Betrachterin vor allem den Unterschied in der Aufnahme.
Das richtige Licht für Ergebnisfotos
Licht entscheidet mehr über die Qualität als die Kamera. Ein aktuelles Smartphone reicht.
Tageslicht: Setz die Kundin mit dem Gesicht zum Fenster. Direkte Sonne vermeidest du, weil sie harte Schatten wirft. Ein bewölkter Tag liefert weiches, gleichmäßiges Licht.
Ringleuchte oder Softbox: Arbeitest du ohne Fenster oder am Abend, nutze eine Leuchte mit einstellbarer Farbtemperatur. Wähle eine neutrale Einstellung und lass sie für alle Fotos gleich.
Nicht mischen: Tageslicht und warmes Deckenlicht zusammen verfälschen Hautton und Brauenfarbe. Schalte das Deckenlicht aus, wenn du am Fenster fotografierst.
Gleiche Bedingungen für vorher und nachher
Damit der Vergleich fair ist, halte diese Punkte fest:
- Gleicher Platz: Fotografiere beide Bilder an derselben Stelle.
- Gleicher Abstand und Winkel: Markiere dir die Position mit einem kleinen Klebepunkt am Boden oder nutze ein Stativ.
- Gleicher Ausschnitt: Bei Wimpern zum Beispiel beide Augen frontal und einmal im Profil.
- Gleiche Kopfhaltung: Bitte die Kundin, geradeaus zu schauen. Bei Wimpern zusätzlich mit geschlossenen Augen.
- Neutraler Hintergrund: eine helle Wand oder ein Tuch, keine Regale oder Spiegel.
- Keine Filter: Nutze die normale Kamera-App ohne Beauty-Modus. Schalte, wenn möglich, die automatische Glättung aus.
Fotografiere das Vorher-Bild, bevor du mit der Behandlung beginnst. Trägt die Kundin Tusche, mach nach dem Abschminken ein zweites Vorher-Foto.
Die Einwilligung: was rechtlich gilt
Ein Foto einer Kundin ist ein personenbezogenes Datum, wenn sie darauf erkennbar ist. Auch eine Augenpartie kann reichen, wenn man die Person zuordnen kann. Für die Veröffentlichung brauchst du deshalb ihre Einwilligung.
Die rechtlichen Grundlagen:
- Nach § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich gezeigt werden.
- Nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) brauchst du eine Rechtsgrundlage, für Werbefotos in der Regel die Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO). Du musst nachweisen können, dass sie vorliegt (Art. 7 Abs. 1 DSGVO).
- Die Kundin kann ihre Einwilligung jederzeit widerrufen (Art. 7 Abs. 3 DSGVO). Der Widerruf wirkt für die Zukunft. Du musst das Foto dann aus deinen Kanälen entfernen.
Besonderer Fall Gesundheitsdaten: Zeigt ein Foto eine Hauterkrankung, etwa ausgeprägte Akne oder Rosazea, können Gesundheitsdaten betroffen sein. Dafür verlangt Art. 9 DSGVO eine ausdrückliche Einwilligung. Sei hier besonders sorgfältig oder verzichte auf solche Bilder.
Minderjährige: Bei Kundinnen unter 18 holst du die Einwilligung der Sorgeberechtigten ein. Bei Jugendlichen sollten zusätzlich sie selbst zustimmen.
Was in die Einwilligungserklärung gehört
Hol die Einwilligung schriftlich ein, auf Papier oder digital. Eine mündliche Zusage kannst du später kaum beweisen.
Inhalt einer Einwilligung:
- Name der Kundin und Datum,
- welche Fotos oder Videos gemeint sind, zum Beispiel „Vorher- und Nachher-Fotos der Augenpartie“,
- wo du sie zeigst: Instagram, TikTok, Website, Google-Unternehmensprofil,
- ob Gesicht erkennbar oder nur ein Ausschnitt,
- Hinweis auf das Widerrufsrecht und wie die Kundin widerrufen kann, etwa per E-Mail,
- Unterschrift.
Biete Abstufungen an: Manche Kundinnen sind mit einem Ausschnitt der Augen einverstanden, aber nicht mit dem ganzen Gesicht. Mach das als Ankreuzfeld möglich. Halte die Einwilligung getrennt von deiner Anamnese, damit die Kundin frei entscheiden kann. Wie du beides aufbaust, steht im Artikel Anamnesebogen und Einwilligung.
Frag freundlich und mach klar, dass ein Nein für die Behandlung keine Rolle spielt. Eine Einwilligung unter Druck ist nicht freiwillig.
Ein Hinweis zur Grenze des Widerrufs: Was einmal online war, kann jemand gespeichert haben. Sag das deiner Kundin offen, damit sie gut informiert entscheidet.
Ehrlich zeigen: Wirkung ohne Täuschung
Vorher-nachher-Fotos überzeugen, weil sie echt wirken. Wer nachbearbeitet, riskiert das Vertrauen der Kundinnen und kann gegen das Verbot irreführender Werbung im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (§ 5 UWG) verstoßen.
Erlaubt und sinnvoll:
- Zuschneiden und Drehen,
- leichte Anpassung der Belichtung, gleich für beide Bilder.
Lass es sein:
- Hautglättung, Weichzeichner, Beauty-Filter,
- Verdichten oder Verlängern von Wimpern und Brauen in der Bearbeitung,
- unterschiedliche Bearbeitung für vorher und nachher.
Frisch und abgeheilt: Bei Behandlungen wie Brow-Färbung oder PMU sieht das Ergebnis direkt danach anders aus als nach der Abheilung. Zeig nach Möglichkeit beides und schreib dazu, wann das Foto entstanden ist.
Ein Wort zu medizinischen Eingriffen: Für ästhetische Eingriffe gelten nach dem Heilmittelwerbegesetz strengere Regeln. Der Bundesgerichtshof hat 2025 entschieden (Az. I ZR 170/24), dass Vorher-nachher-Werbung für Hyaluron-Unterspritzungen an Nase und Kinn unzulässig ist. Solche Eingriffe gehören in die Hände von Ärztinnen und Ärzten und nicht in einen Kosmetik-Feed.
Fotos richtig einsetzen
Ein Ergebnisfoto wirkt stärker mit einer kurzen Erklärung: welche Behandlung, für welchen Typ, wie lange sie hält. Nutze die Bilder auf Instagram, in deinem Google-Unternehmensprofil und auf deiner Website, jeweils nur dort, wo die Kundin zugestimmt hat. Speichere die Fotos zusammen mit der Einwilligung, damit du bei einem Widerruf schnell weißt, wo das Bild überall zu sehen ist. Fotos, die du nicht veröffentlichst und nicht mehr brauchst, löschst du. Ideen, wie du daraus auch bewegte Inhalte machst, findest du in 30 Reel-Ideen für Lash-, Brow- und Kosmetik-Profis.
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Auf einen Blick
Gute Vorher-nachher-Fotos entstehen mit gleichem Licht, gleichem Platz und gleichem Winkel für beide Bilder, ohne Filter. Hol vor jeder Veröffentlichung eine schriftliche Einwilligung ein, mit Angabe der Kanäle und Hinweis auf den Widerruf. Bei sichtbaren Hauterkrankungen und Minderjährigen gelten strengere Regeln. Und zeig Ergebnisse so, wie sie sind: Ehrliche Fotos bringen dir Kundinnen, die mit ihrem Ergebnis zufrieden sind.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.